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31. März 2022

Eine viruzide Revolution oder doch nur „heiße Luft“?

Das neu entwickelte VIRU-fil Material zeigt vielversprechende Möglichkeiten in der klinischen Anwendung

Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch eine aktive und spezifische Immunisierung (Impfung) gegen einen Krankheitserreger ist eine der Erfolgsgeschichten im Bereich der Immunologie. Seit dem Coronavirus „SARS-CoV-2“ und seinen Varianten effektiv mit Impfstoffen begegnet werden soll, forscht weltweit eine Vielzahl von Wissenschaftlern an neuen Immunisierungsmöglichkeiten (mRNA-Impfstoffe, Vektorviren-Impfstoffe, Totimpfstoffe). Aber auch sog. „viruzide Materialien“ rücken immer wieder in den Blickpunkt. Bekannte Vertreter solcher Materialien sind Silber- und Kupferionen sowie Triclosan, jedoch sind diese gesundheitlich als bedenklich einzustufen und können nachweislich zur Resistenz von Bakterien oder Viren führen.1; 2

Vor diesem Hintergrund wurde in Zusammenarbeit mit dem „Luxembourg Institute of Health“ im Rahmen einer mehrjährigen Entwicklungs- und Forschungstätigkeit und unter Einsatz biotechnologischer Verfahren ein neuartiges Medium entwickelt, das bei Kontakt mit umhüllten Viren eine nahezu augenblickliche Reduktion der Viruslast von bis zu 99,4% gewährleisten kann.

Dieses Medium ermöglicht eine Reihe neuer Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise in der Chirurgie mit antiseptisch beschichtetem Nahtmaterial zur Reduktion von postoperativen Wundinfektionen (SSI)3 oder in der aktuellen Pandemiebekämpfung im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung.

Dabei kann nicht nur ein weit verbreitetes Handhabungsproblem bei der Verwendung von Atemschutzmasken gelöst, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Schutz vor einer Ausbreitung von Infektionen im klinischen Alltag erreicht werden. Somit wird einem Personalmangel in systemrelevanten Bereichen vorgebeugt, wie Pflege- und Klinikeinrichtungen aktuell berichten.4

Eine viruzide Revolution oder doch nur „heiße Luft“?
Abb.: Effekt untersucht unter Laborbedingungen bei einem Medium mit und ohne VIRU-fil: Der Effekt ist bereits in der ersten Probe deutlich zu erkennen.

Bei dem Handhabungsproblem ist nicht nur das Auf- oder Absetzen der Schutzausrüstung bzw. deren Zurechtrücken durch den Träger ein mögliches Schmierinfektions- bzw. Übertragungsszenario. Aktuelle Studien zeigen eine mögliche Übertragung durch kontaminierte Oberflächen gerade bei unmittelbarem Kontakt zu infektiösen Personen. Laboruntersuchungen bestätigen, dass vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren unter Laborbedingungen auf Flächen über Stunden infektiös bleiben können.

Hinzu kommt: Bei einer längere Zeit getragenen FFP2-Maske trifft das SARS-CoV-2-Virus auf ein feuchtes Milieu und hat somit beste Bedingungen, möglichst lange zu überleben.5; 6 Dieses Problem verschärft sich, wenn ein und dieselbe Maske – entgegen der ausdrücklichen Kennzeichnung „NR“ (not reusable – nicht wiederverwendbar) – mehrfach bzw. über Stunden hinweg verwendet wird.

Viren und andere Mikroorganismen, die sich beispielsweise durch das Einatmen des Trägers oder durch Aerosole beim Sprechen des Gegenübers auf der Außenlage einer FFP2-Maske ablagern, können von dort aus immer noch auf den Menschen übertragen werden. Dies geschieht meist unbewusst, indem nach dem Kontakt mit der Außenlage der Maske nach einiger Zeit Schleimhäute des Maskenträgers berührt werden.

Das neuartige VIRU-fil, das u. a. über den biologischen Zusatz „Acidum Citricum“ verfügt, wurde entwickelt, um diesen Problematiken entgegenzuwirken. Die bereits zur Verfügung stehende und nach EN149 zertifizierte viruzide Maske vom Typ safe-Air 21V5 verfügt über fünf Lagen, wobei die Außenlage aus dem genannten VIRU-fil Material besteht.

Am Beispiel von behüllten Viren, wie beispielsweise dem SARS-CoV-2, werden diese größtenteils im Moment des Kontakts mit dem viruziden Medium unschädlich gemacht. Dies geschieht bei umhüllten Viren durch die Zerstörung der Lipid-Schicht. Aufgrund von Laboruntersuchungen mit Bakteriophagen kann dabei von einer Wirksamkeit von 99% ohne längere Einwirkzeit ausgegangen werden. Auch gegen die bereits in Europa verbreitete und hochansteckende Omikron-Variante des SARS-CoV-2 ist VIRU-fil wirksam.

Die bisher im Handel erhältlichen viruziden Produkte sind entweder mit Silberionen, Kupferionen, Nano-Silber oder Polihexanid (PHMB) ausgestattet. In der Wissenschaft ist bekannt, dass von diesen Stoffen gerade bei Hautkontakt gesundheitliche Gefährdungen ausgehen können. Hautreizungen, unter gewissen Umständen sogar die Erregung von Krebs können die Folge sein. Das VIRU-fil Material unterscheidet sich von den genannten Produkten, weil der natürliche Zusatz „Acidum Citricum“ in menschlichen Zellen vorkommt und nachweislich nicht schädlich für den Körper ist.7

Das VIRU-fil Medium wird in einem speziell entwickelten Verfahren in einer dünnen Schicht hergestellt und kann zum Beispiel als Außenlage von FFP-Masken oder chirurgischem Nahtmaterial verwendet werden. Weiterführende Tests zeigen sogar eine selbstdesinfizierende Eigenschaft und somit ein „Mehr“ an Sicherheit im Infektionsschutzgeschehen. Die Entwicklung und Herstellung des VIRU-fil Materials wurde bei der VOCK Business Services ein Teil der VMP Aux. Group realisiert. Die Herstellung der darauf basierenden FFP2-Masken selbst erfolgt bei der VMP Aux. Group.

Die viruzide FFP2-Maske safe-Air 21V5 ist besonders für medizinische Anwendungen geeignet, bei denen eine erhöhte Viruslast vorherrscht, etwa auf Infektionsstationen. Sie bietet einen weitreichenden Schutz vor unbewussten Schmierinfektionen sowie bei einer erforderlichen Weiterarbeit von infizierten Gesundheitsfachkräften.

Eine viruzide Revolution oder doch nur „heiße Luft“?

Abb.: Vereinfachte Darstellung des Wirkprinzips

Das neuartige viruzide Medium ermöglicht also zusätzliche Möglichkeiten im Pandemieschutz und bei der Reduzierung von Wundinfektionen. Dabei wird eine weitgehend ignorierte Übertragungskette ausgeschaltet, die bisher – wenn überhaupt – nur mit gesundheitsbedenklichen Stoffen bekämpft wurde. Die viruzide FFP2-Maske vom Typ safe-Air 21V5 liegt damit deutlich über dem Level der bisher üblichen Schutzeigenschaften von FFP2-Masken.

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veröffentlicht in der “Chirurgische Allgemeine Zeitung“, 23.03.2022

Beitragsbild: Sebastian Gollnow/dpa
1
Dr. J. Davison (2010); Scientific Committees; Opinion on triclosan;
²Lars Fischer (2017); Superkeime; Nicht genetische Resistenz gegen Nanosilber.
3de Jonge SW, Atema JJ, Solomkin JS, Boermeester (2017) MA. Meta-analysis and trial sequential analysis of the prevention of surgical-site infection
4DPA:220123-99-815318/5; Corona verschäft Personalmangel in Kliniken
5
Wang CC, Prather KA, Sznitman J, Jimenez JL, Lakdawala SS, Tufekci Z, (2021) et al. Airborne transmission of respiratory viruses.
6van Doremalen N, Bushmaker T, Morris DH, Holbrook MG, Gamble A, Williamson BN,(2020) et al. Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. The New England journal of medicine.
7 Swain C, Chainy GB (1998): Effects of aluminum sul-phate and citric acid ingestion on lipid peroxidation and on activities of superoxide dismutase and catalase in cerebral hemisphere and liver of developing chicks.